Jedes Ende ist ein neuer Anfang

Marlene und Manfred

“Am Anfang braucht man Mut, damit man am Ende glücklich ist”. So geht eines dieser Inspirational Quotes die im Internet kursieren. Es ist vielleicht vereinfacht, aber ja, wir können hinter dieser Aussage stehen. Was passiert also gerade, und warum schreiben wir diesen Blogpost, nachdem wir uns eigentlich davon zurückgezogen haben?

Dieser Blog ist und war hauptsächlich für uns. Und unsere Familien und Freunde. Auch wenn sich relativ schnell herausgestellt hat, dass mega viele andere Menschen mitlesen. Das packen wir noch immer nicht ganz.

Dieser Blog ist unsere Gedankenstütze. Wir haben uns aufgemacht, sind eine abenteuerliche Reise angetreten, und wollten so viele Erinnerungen wie möglich festhalten. Und weil er hauptsächlich für uns ist haben wir uns entschlossen einen letzten Beitrag zu verfassen und dann ein Buch zu drucken. Dieses Kapitel verdient ein ordentliches Ende.

Wie schon beschrieben hat uns der niederländische Alltag mit offenen Armen aufgenommen und eingesaugt. Viele Sachen, die uns zu Beginn gewöhnungsbedürftig erschienen sind, sind normal geworden. Wir leben hier, wir arbeiten hier, wir haben Freunde hier, wir verbringen unseren Urlaub hier.

Aber jetzt haben wir auch noch etwas anderes hier: ein Haus.

Die letzten Wochen waren alles auf einmal. Freude, Angst, Zweifel. Nachdem wir monatelang Luftschlösser gebaut haben, uns ausgemalt haben wie es denn ist, wenn wir „uns eine Wohnung kaufen“, haben wir es getan: wir haben ein Haus gekauft. In einem Land, dass wir erst seit knapp 2 Jahren unser zu Hause nennen. Und ja, auch hier hatten wir enormes Glück. Wir hatten Glück mit dem Timing, wir hatten Glück mit dem Haus, wir hatten Glück mit den aktuellen Besitzern, wir hatten Glück mit dem Makler, der für den Verkauf des Hauses beauftragt wurde.

Wir hatten aber auch Mut. Wir haben uns mutig an dieses Projekt gewagt, und mutig durch den Immobilien- und Bankdschungel gekämpft.

Natürlich kommen mit so einer Entscheidung auch Zweifel: tun wir das Richtige? Was ist das Richtige? Sind wir vernünftig genug? Können wir uns das leisten? Wie lebt man mit einer Hypothek? Wie gruselig ist es eigentlich, dass man sich mit Ablebensversicherungen auseinandersetzen muss? Wie macht man dieses Erwachsenenzeug eigentlich?

Wenn wir diesen Beitrag schreiben, ist es April und das letzte Papier, das zu unterzeichnen war, ist in unserer Outbox. Bis wir diesen Beitrag veröffentlichen wird noch ein bisschen Zeit vergehen.

Vor drei Wochen haben wir uns ein Haus angesehen, von dem wir dachten: Hier wollen wir leben. Wir haben uns durch den schnellen und beinahe unbezwingbaren Amsterdammer Immobilienmarkt gekämpft. Wir haben uns bewusst gemacht, dass wir nicht genug Geld haben um ein Haus zu finanzieren. In Amsterdam läuft es nämlich so: da es viel zu viele Interessenten für Immobilien gibt, hat man die Möglichkeit ein Angebot zu legen. Das finale Angebot. Kein Spielraum für Verhandlungen. Nachdem uns klar war, dass wir nie mit anderen Angeboten mithalten können, haben wir uns für einen etwas anderen Weg entschieden. Wir haben den Besitzern ein Angebot gemacht, dass wir vertreten konnten (wie sich aber schnell herausgestellt hat, war es nicht das höchste) und ihnen einen Brief geschrieben. Wir haben ihnen erklärt, was wir in diesem Haus sehen, und wie wir damit umgehen möchten. Und genau das hat uns die Zusage beschert. Mal wieder ein schönes Beispiel, dass Geld nicht immer der beherrschende Faktor ist.

Überglücklich über die Entscheidung und nach Erledigung des Papierkrams, müssen wir uns aber nun noch ein wenig gelduden, bis die derzeitigen Besitzer ein neues Dach über dem Kopf haben. Aber unsere Gedanken sind schon bei den nächsten Schritten. Wie sorgt man eigentlich für gutes WLAN in einem 2-stöckigen Haus? Wieviel Pflege benötigt eigentlich ein Teich? und und und …

Aber alles was dann passiert gehört zum nächsten Kapitel. Und dem sehen wir voller Respekt aber auch Freude entgegen. Bis dahin drücken wir zusätzlich noch die Daumen, dass unserem neuen zu Hause nix passiert, bis wir endlich drinnen wohnen können.